Mein Name ist Julia Löwe. Ich bin 22 Jahre alt und meines Zeichens Studentin der
Anglistik/ Germanistik, gleichzeitig Hexe aus Überzeugung und Schriftstellerin aus Leidenschaft. Meine Zeit verbringe ich am liebsten damit zu lesen, zu schreiben oder Geschichten meiner Freunde konstruktiv zu kritisieren. Des weiteren liebe ich Rollenspiele und Schokolade.
Wie ich die Frau wurde, die ich bin? Nun, meine Lebensgeschichte ist relativ unspektakulär, hat mich aber ziemlich geprägt. Geboren wurde ich in Halle während der Studienzeit meiner Mutter. Schon damals entwickelte ich eine schier unstillbare Leidenschaft für Bücher. Allerdings war ich noch zu klein, um zu verstehen, dass es einen Unterschied macht, ob man Texte verreißt oder zerreißt.
Als ich etwa vier Jahre alt war, zogen meine Eltern nach Chemnitz um, damals noch Karl-Marx-Stadt. Unsere Wohnung lag in einem wunderschönen Altbau. Das heißt, er wäre wunderschön gewesen, wenn er saniert gewesen wäre. Mein kleiner Bruder Benjamin und ich waren zu jung, um uns über Schimmelpilze und nicht vorhandene Badezimmer aufzuregen. Wir liebten unseren riesigen, grünen Hinterhof mit den vielen Bäumen und verbrachten Tage damit, uns dort in eine andere Welt hineinzuträumen. Schon damals fing ich an, mir Geschichten auszudenken oder auch bereits vorhandene Geschichten ein wenig umzudichten, um eigene Helden einzuflechten und in den Vordergrund zu rücken.
Für die Schule konnte ich nie sonderlich viel Begeisterung aufbringen. Es wurmte mich, dass ich Dinge lernen musste, die mich nicht interessierten und die mir völlig unnötig vorkamen. Diese Haltung änderte sich auch später nicht, aber ich war nicht dumm und konnte auch auf dem Gymnasium mit den anderen mithalten. Ich betrachtete es als Energieverschwendung, so langweilige Sachen wie Mathematik, Physik oder Chemie zu lernen. Kann sein, dass ich die falschen Lehrer hatte, kann auch sein, dass ich schlicht und einfach faul bin. Auch war das Klima an unserer Schule recht unterkühlt und ich entzog mich dem, indem ich mich in andere Welten träumte.
Mit siebzehn, fast achtzehn Jahren nahm ich an einem Sprachkurs in Südwestengland teil und dort wurde ich durch eine gute Freundin auf Rollenspiele aufmerksam. Den Rest der Ferien verbrachten wir mit langen Spaziergängen und aufregenden Abenteuern in unserer Phantasie. Auch nach Ferienende hielten wir weiterhin den Kontakt aufrecht und mittlerweile leben wir zusammen in einer WG. Da sie aber damals noch in Hannover lebte und ich in Chemnitz, musste ich meine Kreativität anderweitig ausleben. Und so kam es, dass ich anfing, Geschichten zu schreiben.
Meine Anfangsgeschichten betrachte ich heute als meine Jugendsünden, etwas, über das man schmunzeln oder erröten kann. Vermutlich habe ich so ziemlich jedes Klischee bedient, als ich meine ersten Charaktere entwarf und abgesehen von Unterhaltung hatten meine Geschichten auch wenig Inhalt. Gleichzeitig bekam ich in dieser Zeit aber auch meinen ersten und treusten Fan - meine Mutter. Sie verschlang meine Geschichten mit einer Begeisterung, die mich inspirierte, noch mehr und noch bessere Sachen zu schreiben. Noch heute droht sie mir manchmal damit, mich an den Computer zu ketten, wenn ich ihr nicht bald die Fortsetzung meiner Geschichten gebe.
Als ich an die Uni Leipzig kam, veränderte sich alles noch einmal. Ich lernte Steff kennen, die in Chemnitz in meine Parallelklasse gegangen war und wir stellten fest, dass wir viele gemeinsame Interessen hatten. Zusammen schrieben wir das erste Mal eine Geschichte, ein Crossover zwischen Star Wars und Star Trek. Zum einen taten wir das, weil wir Fans beider Universen waren und zum anderen, weil wir unseren Heidenspaß daran hatten. Wenn wir heute zusammen schreiben, fällt es uns immer äußerst schwer, ernst zu bleiben. Gemeinsam lachen wir sehr viel. Nur die armen Charaktere, die uns beiden hilflos ausgeliefert sind, haben wenig zu lachen.
Bis zum zweiten Semester schrieben wir nur zu zweit, dann entdeckten wir zufällig einen Aushang zweier Studenten, die ebenfalls schrieben und Gleichgesinnte suchten. Aus dieser Vierergruppe entwickelte sich bis zum heutigen Tag ein zehnköpfiger Klub von Studenten verschiedenster Fachrichtungen mit dem Namen "Die Schreibratten".
Nun war die Uni zwar wirklich etwas Anderes als die Schule, aber auch hier gab es Fächer, die uns nicht die Bohne interessierten. Und einmal, als wir wirklich große Langeweile hatten, kam uns die Idee, eine Uni-Parodie zu verfassen.
Die Schreibratten nahmen diese Idee mit Begeisterung auf und wir begannen die Grundzüge des Landes auszuarbeiten, in dem wir die Geschichte spielen lassen wollten. Über die Richtung des Projektes waren wir uns schnell einig - Fantasy. Jeder von uns damals fünfen übernahm einen Charakter und ein dazugehöriges Volk. Allerdings kamen wir nicht wirklich auf einen grünen Zweig und so wandten wir uns schließlich wieder unseren Einzelwerken zu.
Als wir nach einem Vorstellungstag an der Uni Zuwachs erhielten, änderte sich das. Vier der fünf Neuen klinkten sich in die Geschichte ein und brachten frischen Wind in das Projekt, welches immer weniger eine Parodie auf die Universität, als viel mehr eine epische Welt wurde. War ursprünglich nur eine "Gefährtengeschichte" geplant, so stellten wir jetzt fest, dass unser Kontinent, Enkar, auch eine Vergangenheit hatte und die unterschiedlichsten Kulturen aufweisen konnte. Das Projekt bekam Flügel und - viel wichtiger - eine Seele. Obwohl es noch längst nicht fertig ist, nimmt unsere kleine Welt immer deutlichere Züge an.
Mein kleines Land in Enkar ist das Nebrosland, die Heimat der Hexen. Vor Jahrtausenden erlernten sie die Magie von den Waldelfen und fühlen sich bis zum heutigen Tag eng mit ihnen verbunden, da ihre Anführerin eine Halbelfe war. Wie die Elfen werden die Hexen von tierischen Seelengefährten begleitet und eine solche Seelengefährtin ist Stella, die Katze. Im Gegensatz zu normalen Katzen wurde sie mit einem Bewusstsein geboren und ist somit auserwählt, die Seelengefährtin einer Hexe zu sein. Und doch kommt alles etwas anders... (Näheres siehe "Stella die Kexe")
Obwohl wir Schreibratten gerne in Träumen schwelgen, wie wir Enkar veröffentlichen könnten - sei es als Buch, sei es als Rollenspielsystem - wissen wir noch nicht, wohin uns diese Reise führen wird. Immerhin wird Enkar mit jedem Tag, der verstreicht, um eine Nuance klarer und komplexer. Aber wer weiß... eines Tages vielleicht...
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Zuletzt aktualisiert am 15.03.2004
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